Strom Baseload (EUR/MWh),
DE Q2-2034,71
DE Cal-2143,66
AT Q2-2035,70
AT Cal-2146,43
HU Q2-2045,69
HU Cal-2155,54
CZ Q2-2036,41
CZ Cal-2146,61
Nordpool Q2-2023,15
Nordpool Cal-2131,45
 
Gas Baseload (EUR/MWh),
DE Q2-2010,59
DE Cal-2115,72
AT Cal-2116,70
AT Cal-2217,92
UK Q2-2026,48
UK Cal-2139,47
US M02-2001,80
US M03-2001,79
 
CO2 (EUR/t),
EUA MidDec-2025,44

Values are closing prices, last update on 1/20/2020
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Marktkommentar - Jänner 2020

Die Ölpreise haben Mitte Februar 2016 einen Tiefpunkt bei knapp 30 USD/bbl erreicht, im Sommer 2018 die 83 USD/bbl (Y+1) überschritten und nun 64 USD/bbl (Brent Month Ahead) erreicht. Langfristig zeichnet sich die weitere Orientierung der Ölpreise an den Vollkosten ab, die Prämie für die politische Unsicherheit aus dem Dezember 2018 ist kurzzeitig verschwunden. Ebenso glaubt der Markt, dass die Angebotssituation für 2020 noch besser wird. Das wird durch die aktuell zunehmenden Sorgen über die Verbrauchsentwicklung gestärkt, denn das Wirtschaftswachstum wird global gesehen schwächer beurteilt. Die meisten Marktteilnehmer erwarten nun keine Öl-Knappheit, obwohl die OPEC im Juni 2019 Maßnahmen zur Reduktion des Angebots getroffen hat und auch im Dezember 2020 weitere 0,5 Miillionen Fass Produktionskürzung beschlossen.

Parallel dazu haben die bis Oktober 2018 gestiegenen Kohlepreise (95 USD/t für Y+1) zu einem Anstieg der Strompreise am Terminmarkt geführt. Die derzeitigen Rahmenbedingungen lassen eine Rückkehr auf das Strompreisniveau von vor zwei Jahren nicht zu. Kohle notiert Anfang Dezember für Y+1 bei ca. 60 USD/t, so tief wie im Dezember 2016. Der Strommarkt (Deutschland) ist im Verlauf des August von seinem Höchststand zwar um ca. 14% auf 43 EUR/MWh gefallen. Er befindet sich jedoch nun am unteren Ende der Bandbreite der Preise, die wir seit Oktober 2018 beobachten. Der geringere Kohlepreis im Vergleich zum Herbst 2018 wird weiterhin durch höhere CO2-Kosten wettgemacht. Der CO2-Preis pendelt um die 25 EUR/t. Wir sehen keine Trendwende beim CO2.

Der Ölpreis wirkt über die Gas-Öl-Preiskorrelation im Terminmarkt, auf die Gas(terminmarkt)preise am CEGH (Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien) und NCG (Deutschland, Tschechien, Slowakei, West-Österreich) und TTF (Benelux). Die Gasspeichermengen sind Anfang Dezember 2019 in Europa auf historischen Höchstständen. Von Knappheit keine Spur und die Spot-Preise unter 15 EUR/MWh (Erwartung für Q1 2020) sind ein Zeichen des Gas-Überangebots. Die Zustimmung zum Bau der Nord Stream 2 Anfang November durch Dänemark hat das Risiko eines Versorgungsengpasses im Jahr 2020 stark reduziert, auch wenn mit der Ukraine (Naftogas) noch keine Einigung erfolgt ist.

Gleichzeitig ist LNG im Überfluss verfügbar. Wegen der, im Vergleich zum Gaspreis, hohen Kohlepreise wird der Fuel Switch (Kohle zu Gas) relevanter und wir erwarten auch in der Zukunft einen vermehrten Gaseinsatz bei der Stromerzeugung. Die Preise in UK zeigen uns einen gaspreisdominierten Strommarkt und die daraus resultierenden höheren Preise für Strom. Strom für das Frontjahr kostet in UK ca. 3 EUR/MWh mehr als in Deutschland.

Die Stromerzeugung durch Gaskraftwerke führt also grundsätzlich zu höheren Strompreisen. In der Situation des extrem guten Gas-Angebots, erwarten wir das für 2020 nicht. Der CO2-Preis wird jedenfalls  spielentscheidend für die Strompreise und die Gasnachfrage bleiben. Und da ist nun – trotz MSR (Market Stability Reserve des CO2-Handeslssystems) – ein Rückgang möglich. Sollte der Verbrauch schwächeln (Wetter, Wirtschaft), so werden die Besitzer von Emissionsrechten eher geneigt sein, diese zu verkaufen. „Buy and hold“ als Bewirtschaftungsstrategie rentiert sich dann nicht mehr.

LNG 2019 in Europa Bedeutung erlangt. Bis zu 20 % der benötigten Mengen kamen von Tankschiffen. Seit November 2019 handelt Gas in Asien (LNG) bei ca. 17,5 EUR/MWh und somit ist das Ende der sehr hohen LNG-Einspeisung ins europäische Netz gekommen. Die vollen Speicher in Europa werden den Preisabstand zum asiatischen Markt wieder erhöhen. Die Wirkung der Drohungen der USA gegen Russland gegen die Nord Stream 2 Pipeline oder wegen der Ukraine-Transitverträge wird immer unwahrscheinlicher.

Auch wenn die Erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen immer weiter ausgebaut werden, können sie mittelfristig keinen vollständigen Ersatz zu Kohle- oder Kernkraftwerken darstellen, die kontinuierlich über die nächsten Jahre vom Netz gehen werden und heute die gesicherte Leistung zu relativ niedrigen Kosten zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wird der Strom- und Gasverbrauch in Zukunft weiter steigend erwartet, da Strom vermehrt Öl und Gas ersetzen wird und im Haushalt zusätzlich Wärme sowie generell Mobilität zur Verfügung stellt. Gas aus eigner Produktion geht in Europa zurück, somit steigt der Importbedarf von selbst weiterhin mit 5-10% je Jahr.

Nach einem starken Preiseinbruch der CO2-Preise im Frühjahr 2017 auf unter 5 EUR/t, ist mit der Rechtssicherheit für die 4. Allokationsperiode auch die Nachfrage nach Emissionsrechten gestiegen. Die Preise bewegen sich derzeit bei 23 - 28 EUR/t. Wie es da weitergeht, bestimmt die Politik: Vom Brexit bis zur deutschen Kohlekommission bestehen große Fragezeichen. Eine starke EU-Kommission mit einem Fokus auf den Klimaschutz kann wesentliches bewegen und renomierte Prognosen zeigen auf eine Preiserwartung bis knapp unter 40 EUR/t für das Jahr 2021 hin.

Die Preise für alle Energierohstoffe (Strom, Öl, Kohle und Gas) sind im Jahresvergleich stark zurückgegangen. Weiter nach unten ist die Bewegung bei Gas und Strom nur mehr begrenzt im Terminmarkt möglich. Gleichzeitig wird die hohe Volatilität der Spotmarktpreise für Strom und Gas nur langsam geringer. Der Kohle-Ausstieg sowie die Umsetzung der EU-Emissionsrichtlinien und des "Clean Energy Package" werden entscheidend bei der weiteren Preisentwicklung von Strom und Gas sein. Auch "Fridays for Future" wird langfristig seine Wirkung entfalten. Die Spotmärkte für Gas und Strom notieren auf  historischen Tiefpreisen. Die Wirtschaftspolitik sendet ebenso keine bullishen Signale aus. CO2 könnte in Europa jedoch für Preisextreme beim Strompreis sorgen, die nur in geringem Zusammenhang mit den reinen Brennstoffkosten stehen. Die Entwicklung der Kosten für CO2-Emissionen ist die am schwierigsten einzuschätzende Größe für die Energiepreisbildung. Und gleichzeitig am relevantesten für Strom und Gas.

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