Strom Baseload (EUR/MWh),
DE Q4-1948,35
DE Cal-2050,14
AT Q4-1952,52
AT Cal-2053,44
HU Q4-1961,36
HU Cal-2060,98
CZ Q4-1951,35
CZ Cal-2053,09
Nordpool Q4-1937,90
Nordpool Cal-2035,65
 
Gas Baseload (EUR/MWh),
DE Q4-1917,35
DE Cal-2018,18
AT Cal-2018,95
AT Cal-2118,94
UK Q4-1945,53
UK Cal-2048,32
US M10-1902,36
US M11-1902,39
 
CO2 (EUR/t),
EUA MidDec-1926,40

Values are closing prices, last update on 9/16/2019
Warning: No liability for accuracy of data.
Marktkommentar - September 2019

Die Ölpreise haben Mitte Februar 2016 einen Tiefpunkt bei knapp 30 USD/bbl erreicht, im Sommer 2018 die 83 USD/bbl (Y+1) überschritten und nun 60 USD/bbl(Brent Month ahead) erreicht. Langfristig zeichnet sich die weitere Orientierung der Ölpreise an den Vollkosten ab, die Prämie für die politische Unsicherheit aus dem Dezember 2018 ist kurzzeitig verschwunden. Ebenso glaubt der Markt, dass die Angebotssituation in den nächsten Monaten knapper, jedoch für 2020 wieder besser wird. Die Summe der Marktteilnehmer erwartet langfristig keine Knappheit, obwohl die OPEC im Juni 2019 Maßnahmen zur Reduktion des Angebots getroffen hat.

Parallel dazu haben die bis Oktober 2018 gestiegenen Kohlepreise (95 USD/t für Y+1) zu einem Anstieg der Strompreise am Terminmarkt geführt. Generell lässt sich sagen, dass der Preisanstieg für den gesamten Energiekomplex, kurzfristig irreversibel erscheint und die absolut tiefen Preisniveaus für Strom, CO2 und Gas von damals nun außer Reichweite sind. Rückblickend kann man erkennen, dass das Zusammenwirken von Faktoren wie günstigen Wechselkursen, geringen Frachtkosten und niedrigen Energierohstoffpreise zu bisher einzigartig tiefen Strompreisen im Terminmarkt im Jahr 2016 geführt hat. Die derzeitigen Rahmenbedingungen lassen eine Rückkehr auf das Preisniveau von vor zwei Jahren nicht zu. Kohle notiert Ende August für Y+1 bei ca. 64 USD/t. Der Strommarkt (Deutschland) ist im Verlauf des August von seinem Höchststand zwar um ca. 10% auf 47 EUR/MWh gefallen, er bleibt jedoch noch innerhalb der Bandbreite der Preise, die wir seit Oktober 2018 beobachten. Der geringere Kohlepreis im Vergleich zum Herbst 2018 wird weiterhin durch höhere CO2-Kosten wettgemacht.

Der Ölpreis wirkt über die Gas-Öl-Preiskorrelation im Terminmarkt, auf die Gas(terminmarkt)preise am CEGH (Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien) und NCG (Deutschland, Tschechien, Slowakei, West-Österreich) und TTF ( Benelux). Die Gasspeichermengen sind Ende August 2019 in Europa im Jahresvergleich so gut, dass daraus keine Knappheit abgeleitet werden kann und der Gaspreis auch für den September 2019 bei unter 11 EUR/MWh gehandelt wird. Die Knappheit im Spotmarkt im Jahr 2018 hat in Europa und in Asien auch dazu beigetragen, dass LNG im Überfluss verfügbar ist. Wegen der, im Vergleich zum Gaspreis, hohen Kohlepreise wird der Fuel Switch (Kohle zu Gas) relevanter und wir erwarten auch in der Zukunft einen vermehrten Gaseinsatz bei der Stromerzeugung. Die Preise in UK zeigen uns einen Gaspreisdominierten Strommarkt und die daraus resultierenden höheren Preise für Strom. Strom für das Frontjahr kostet in UK ca. 3 EUR/MWh mehr als in Deutschland.

Die Stromerzeugung durch Gaskraftwerke führt also grundsätzlich zu höheren Strompreisen. CO2 wird jedoch spielentscheidend für die Strompreise und die Gasnachfrage.

Die LNG Preise waren bis in den Oktober 2018 so attraktiv für Verkäufer am asiatischen Markt, dass LNG für Europa keine Bedeutung hatte. Das hat sich seitdem stark geändert und LNG wurde bis Anfang Juli zu Rekordmengen nach Europa importiert. Für den September 2019 handelt Gas in Asien (LNG) bei ca. 15 EUR/MWh und somit erwarten wir eine länger anhaltende LNG-Einspeisung ins europäische Netz. Die asiatischen Gaspreise beginnen jedoch jetzt für die LNG Lieferanten wieder attraktiver zu werden als Europa und wir erwarten leicht steigende Spot-Preise für Gas.

Auch wenn die Erneuerbaren immer weiter ausgebaut werden, können sie mittelfristig keinen vollständigen Ersatz zu Kohle- oder Kernkraftwerken darstellen, die kontinuierlich über die nächsten Jahre vom Netz gehen werden und heute die gesicherte Leistung zu relativ niedrigen Kosten zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wird der Strom- und Gasverbrauch in Zukunft weiter steigend erwartet, da Strom vermehrt Öl und Gas ersetzen wird und im Haushalt zusätzlich Wärme sowie generell Mobilität zur Verfügung stellt. Gas aus eigner Produktion geht in Europa zurück, somit steigt der Importbedarf von selbst weiterhin mit 5-10% je Jahr.

Nach einem starken Preiseinbruch der CO2-Preise im Frühjahr 2017 auf unter 5 EUR/t, ist mit der Rechtssicherheit für die 4. Allokationsperiode auch die Nachfrage nach Emissionsrechten gestiegen. Die Preise bewegen sich derzeit bei 25 - 28 EUR/t. Wie es da weitergeht, bestimmt die Politik, vom Brexit bis zur deutschen Kohlekommission. Wir erwarten jedoch leicht fallende Preise; auch 20 EUR/t sind möglich. Die Frage ist hier ob das 2020 oder doch erst 2026 so weit sein wird.

Im Allgemeinen erwarten wir für alle Energierohstoffe (Strom, Öl, Kohle, CO2 und Gas) keinen Rückgang auf die Tiefststände vom 1. HJ 2016, jedoch auch keinen Anstieg über die Werte von Oktober 2018. Gleichzeitig wird die hohe Volatilität der Spotmarktpreise für Strom und Gas nur langsam geringer. Der Kohle-Ausstieg sowie die Umsetzung der EU-Emissionsrichtlinien und des "Clean Energy Package" werden entscheidend bei der weiteren Preisentwicklung von Strom und Gas sein. Auch "Fridays for Future" wird langfristig seine Wirkung entfalten. Mittelfristig, also in den nächsten Monaten, erwarten wir einen Preisrückgang der Terminmarktkontrakte, da die Spotmärkte historisch tief notieren und auch die Wirtschaftspolitik nicht gerade Zuversicht und Sicherheit vermittelt. CO2 könnte in Europa für Preisextreme beim Strompreis sorgen, die nur in geringem Zusammenhang mit den reinen Brennstoffkosten stehen. Die Entwicklung der Kosten für CO2-Emissionen ist die am schwierigsten einzuschätzende Größe für die Energiepreisbildung.

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Felix Diwok
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