Strom Baseload (EUR/MWh),
DE Q2-1939,53
DE Cal-2046,23
AT Q2-1940,33
AT Cal-2050,03
HU Q2-1946,76
HU Cal-2054,75
CZ Q2-1940,90
CZ Cal-2048,56
Nordpool Q2-1937,95
Nordpool Cal-2034,15
 
Gas Baseload (EUR/MWh),
DE Q2-1915,24
DE Cal-2018,32
AT Cal-2019,05
AT Cal-2119,11
UK Q2-1937,19
UK Cal-2047,46
US M04-1902,47
US M05-1902,48
 
CO2 (EUR/t),
EUA MidDec-1922,47

Values are closing prices, last update on 3/18/2019
Warning: No liability for accuracy of data.
Marktkommentar - März 2019

Die Ölpreise haben Mitte Februar 2016 einen Tiefpunkt bei knapp 30 USD/Fass erreicht und handeln nach dem Hoch im Sommer 2018 von 83 USD/bbl (Y+1) nun um die 62 USD/Fass (Brent). Langfristig zeichnet sich die weitere Orientierung der Ölpreise an den Vollkosten ab und die Prämie für die politische Unsicherheit aus dem Dezember 2018 ist kurzzeitig verschwunden. Ebenso glaubt der Markt, dass die Angebotssituation in den nächsten Monaten sehr gut ist und die Summe der Marktteilnehmer erwartet keine Knappheit, obwohl die OPEC Maßnahmen zur Reduktion des Angebots beschlossen hat.

Parallel dazu haben die bis Oktober steigenden Kohlepreise zu einem Anstieg der Strompreise im Terminmarkt geführt. Generell lässt sich sagen, dass ein Preisanstieg für den gesamten Energiekomplex, vergleichbar zu März 2016, eingesetzt hat und die absolut tiefen Preisniveaus für Strom, CO2 und Gas von damals nun außer Reichweite sind. Rückblickend kann man erkennen, dass das Zusammenwirken von Faktoren wie günstigen Wechselkursen, geringen Frachtraten und niedrigen Energierohstoffpreise zu bisher einzigartig tiefen Strompreisen im Terminmarkt im Jahr 2016 geführt hat und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit eine Rückkehr auf das Preisniveau von vor zwei Jahren nicht zulassen.

Der Ölpreis wirkt, über die global gesehen noch immer vorhandene Öl-Preisbindung, auf die Gaspreise am CEGH (Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien) und NCG (Deutschland, West-Österreich). Nur die US-Gaspreise bleiben vom Ölpreis weiterhin unbeeindruckt. Die Gasspeichermengen sind im Februar 2019 in Europa im Jahresvergleich so gut, dass daraus keine Knappheit abgeleitet werden kann. Der heiße Herbst und bisher warme Winter hat in Europa dazu wesentlich beigetragen. Wegen der hohen Kohle Preise wird der Fuel Switch (Kohle zu Gas) relevanter und wir erwarten einen vermehrten Gaseinsatz bei der Stromerzeugung. Jedoch hat der stark gestiegene CO2-Preis den Preispunkt für CO2, bei dem der Umstieg von Kohle auf Gas erfolgen sollte, im November auf über 40 EUR/t CO2 hinaufgedrückt. Dieser Wert geht nun zurück und wir erwarten - auch wegen des angekündigten Kohleausstiegs Deutschlands - eine Vermehrte Orientierung der Strompreise am "Spark Spread". Das sind die Kosten der Stromerzeugung mit Gaskraftwerken unter Berücksichtigung des CO2-Preises.

Trotz der hohen Strompreise (> 50 EUR/MWh für das Frontjahr) sind die Deckungsbeiträge der Kohlekraftwerke nicht wesentlich gestiegen. Obwohl der CO2-Preis nun um ca. 20 EUR/t pendelt, ist Gas noch immer nicht bei Baseload-Lieferungen für Deutschland und Österreich im Vorteil. In UK ist das beispielsweise längst der Fall, führt jedoch dort zu höheren Strompreisen als in Zentraleuropa.

Die LNG Preise waren bis in den Oktober so attraktiv für Verkäufer am asiatischen Markt, dass LNG für Europa keine Bedeutung hatte. Jetzt hat sich das geändert und bisher LNG wird zu Rekordmengen nach Europa importiert. Für den April 2019 handelt Gas in Japan bei 19 EUR/MWh und somit erwarten wir eine länger anhaltende LNG-Einspeisung ins europäische Netz.

Der Strompreis in Deutschland (DE/AT) 2018 aufgrund der vorgenannten Faktoren stark angestiegen und seit Oktober 2018 geht der Preis wieder kontinuierlich. Die Hauptgründe für die Volatilität sind Wetter, Marktregeln und die wirtschaftspolitische Unsicherheit. Die Trockenheit in Nordwesteuropa hat auch aufgezeigt, dass Wind- und Wasserkraft extrem stark schwanken und somit die Spotpreise für Strom sehr volatil werden.

Das unterdurchschnittliche Winddargebot im Q3/Q4 2018 wurde nur teilweise durch die erhöhte PV-Einspeisung kompensiert. Temperaturanomalien haben auch noch beim Gas- und Stromverbrauch Einfluss genommen. Änderung von manchen Marktregeln haben die Trennung der Gebotszone DE/AT und Einführung des Market Coupling in Europa und die Integration der Intraday-Märkte betroffen. Bei der politischen Unsicherheit sind insbesondere die Ölversorgung und der Brexit zu erwähnen, die die Erwartungen an die Energiepreise zusätzlich beeinflussen.

Auch wenn die Erneuerbaren immer weiter ausgebaut werden, können sie mittelfristig keinen vollständigen Ersatz zu Kohle- oder Kernkraftwerken darstellen, die kontinuierlich über die nächsten Jahre vom Netz gehen werden und heute noch gesicherte Leistung zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wird der Strom- und Gasverbrauch in Zukunft weiter steigend erwartet, da Strom immer öfter als Energiequelle eingesetzt werden wird und Wärme sowie Mobilität zur Verfügung stellt. Und Gas aus eigner Produktion geht in Europa aus, somit steigt der Importbedarf von selbst.

Nach einem starken Preiseinbruch der CO2-Preise im Frühjahr 2017 auf unter 5 EUR/t ist mit der Rechtssicherheit für die 4. Allokationsperiode auch die Nachfrage nach Emissionsrechten gestiegen. Die Preise bewegen sich derzeit bei 18-25 EUR/t. Wie's da weitergeht, bestimmt die Politik vom Brexit zur Kohlekommission.

Wir erwarten für alle Energierohstoffe (Strom, Öl, Kohle, CO2 und Gas) keinen Rückgang auf die Tiefststände vom 1. HJ 2016, jedoch auch keinen Anstieg auf die Werte von 2008 in kurzer Zeit. Gleichzeitig erwarten wir eine weiterhin hohe Volatilität der Spotmarktpreise für Strom und Gas. Und der Kohle-Ausstieg sowie die Umsetzung der EU-Emissionsrichtlinien werden entscheidend bei der weiteren Preisentwicklung von Strom und Gas sein. Die Tagespolitik wird über den Ölpreis diese Korrelation wiederholt stören. Kurzfristig ist ein starker weiterer Preisanstieg von CO2, Strom und Gas möglich, wir erwarten jedoch vorerst eine Beruhigung der Energiepreise (Spot und kurzfristige Terminkontrakte) und einen Rückgang von den Hochs von Ende Oktober und Ende Dezember 2019.

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Felix Diwok

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