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Marktkommentar

Oktober 2020

Die Monate im Lockdown ließen die Energiepreisen in vielfacher Weise Geschichte schreiben. Die globale Gaspreiskonvergenz diesen Sommer war eine davon. Egal ob am US-amerikanische Henry Hub, am europäischen Festland oder am LNG Spotmarkt in Asien, Gas kostete quasi in allen wesentlichen Verbrauchszentren das Gleiche. Das globale LNG Überangebot hat’s möglich gemacht.

Konsequenterweise wurde dadurch die Wirtschaftlichkeit vieler LNG-Produzenten untergraben, da die kurzfristigen Produktionskosten inklusive Transport über den erzielbaren Verkaufspreisen lagen. LNG-Lieferungen wurden folglich storniert und konventionelle Pipelineflüsse reduziert. So sind die Gaspreise in Europa auch wieder relativ schnell auf das Niveau der kurzfristigen Grenzkosten gestiegen, das sind im Moment in etwa 10 EUR/MWh. Diesen Niveausprung betrachten wir im Spotmarkt als nachhaltig, der nächste Aufwärtsdruck sollte dann aber nicht vor der ersten Kältewelle einsetzen.

In breiterem Kontext ist der Gastransport im Moment aber ebenso in den Schlagzeilen. Das ursprünglich als rein kommerzielles Projekt titulierte Nordstream 2 hat inzwischen politisches Schwergewicht. Die Versorgungssicherheit Europas ist davon mittelfristig nicht abhängig, der Transit über die Ukraine wird dafür umso relevanter. Auch die Verfügbarkeit von US-amerikanischem LNG. Ein Schelm wer Böses denkt.

Mit den tiefen Ölpreisen ist die Gasproduktion in den USA zwischenzeitlich um ca. 10% zurückgegangen. Als größten Ölproduzenten wurde die USA inzwischen von Russland abgelöst. Der Rig Count ist allerdings Indiz dafür, dass die profitableren Produktionsstätten ab dem Preislevel von 40-45 USD/bbl wieder zurückkommen. Da der globale Ölverbrauch noch lange nicht Richtung Norm geht, ist erst ab dem 2. HJ 2021 mit Unterversorgung und steigenden Preisen zu rechnen.

Der sicherlich interessanteste „Energieträger“, bzgl. die „Hottest Commodity“ bleibt weiterhin CO2. Fundamentaldaten deuten darauf hin, dass der Markt aufgrund reduzierter Emissionen überversorgt ist. Trotzdem bleibt das Kaufinteresse aufrecht, an der Zielmarke von 30 EUR/t wurde schon mehrfach gekratzt. Der klare politische Wille Europas die Energiewende mit der Bepreisung von CO2 zu gestalten, verdeutlicht sich auch in der nationalen deutschen CO2-Steuer. Der Preis außerhalb des EU-ETS für eine CO2-Emission soll von 25 EUR/t im Jahr 2021 auf 55 EUR/t bis 2025 ansteigen. Für spekulative Händler Anlass genug Ihre Positionen zu erhöhen.

Dieser Preiseinfluss bleibt bei den weiterhin extrem günstigen fossilen Energieträgern also der wesentliche Einfluss der europäischen Strombörsen. Im Spotmarkt erhöht der Gasspotpreis die Grenzkosten der Gaskraftwerke zusätzlich um ca. 10 EUR/MWh im Vergleich zu Anfang August.

Ganz grundsätzlich wird die wirtschaftliche Erholung in den nächsten Monaten im Hauptfokus liegen, der Ausblick auf baldige medizinische Antworten auf die Pandemie lassen die Märkte aber schon heute hoffen.

Mit der Leitwährung Öl unter Druck, sehen wir bei den Fossilen im September ebenso Abwärtspotential – die Tiefstpreise am Terminmarkt sollten aber nicht gefährdet sein.

Unter diesen Vorzeichen wünschen wir gute Entscheidungen und stehen als Sparringpartner gerne zur Verfügung.

Für das Team der Inercomp

Manuel Giselbrecht

Manuel_Giselbrecht