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Marktkommentar

Juli 2020

Corona ist vorbei, nicht wahr? Diesen Eindruck kann man bei der Beobachtung der Aktienbörsen bekommen.

Die Energie-Welt war jedoch schon vor Corona auf preislich tiefem Niveau. Ein Beispiel: Strom wurde in Deutschland im Februar vor dem Lockdown bei etwas über 21 EUR/MWh (Spotmarktmonatsdurchschnitt) gehandelt. Gas bleibt seit vielen Wochen europaweit klar unter 10 EUR/MWh im Spot. All das ist die Konsequenz aus dem Überangebot, das zum Großteil schon vor Corona da war, kombiniert mit der deutlich eingebrochenen Nachfrage als Reaktion auf das Coronavirus. Der Rückgang beim Stromverbrauch liegt zwischen 5% und 22 % in den EU-Mitgliedsstaaten. Auch der Gasverbrauch ist absolut zurückgegangen, obwohl Gaskraftwerke derzeit wirtschaftlicher sind als Steinkohlekraftwerke und so den Verbrauch höher halten. Beispielsweise in Österreich ist in den ersten 5 Monaten nur 2% weniger Gas verbraucht worden als im Vorjahr.

Der Ölpreis, die globale Leitwährung für Energierohstoffe, ist in den letzten Wochen wesentlich teurer geworden. Das nächste Jahr kostet am Ölmarkt (Brent) nun wieder ca. 43 USD/bbl (Brent).  Die derzeitige Preisbildung auf den Terminmärkten für Energie ist folgende: Politische Einflussnahme auf die Finanzmärkte, abwechselnd mit der Veröffentlichung über den Verlauf der Pandemie, beeinflussen weiterhin die Stimmung und die Erwartungen. Denn fundamental bleiben die Energiemärkte am Boden und wir sehen in beinahe allen Ländern in Europa die tiefsten Spotmarktpreise seit dem Beginn der Liberalisierung (1999). Derzeit ist es am Einfachsten die Aktienbörsenindizes zu verfolgen und analog dazu die Wetten (= Terminmarkpreise) auf die Energierohstoffmärkte zu beobachten. Corona hält uns am Terminmarkt im Griff. Die Spot-Märkte für Energie zeigen jedoch den echten Verbrauchsrückgang und bleiben vorerst tief.

Kennen Sie Asterix? Es gibt ein „Gallisches Dorf“ unter den Energierohstoffen, das sich gegen den Verfall der Preise wehrt: Der Preis für CO2-Emissionen. Nach einem starken Preiseinbruch der CO2-Preise im Frühjahr 2017 auf unter 5 EUR/t, ist mit der Rechtssicherheit für die 4. Allokationsperiode auch die Nachfrage nach Emissionsrechten gestiegen.

Die in der 3. Allokationsperiode eingeführten, Regularien verhindern einen Absturz der Preise, der mit Gas oder Strom vergleichbar wäre. Vom Vorjahresniveau, 25 EUR/t, sind die Preise zwar kurz auf knapp über 15 EUR/t gefallen, am 6. April schlagen die „Gallier“ jedoch zurück und der Preis erreicht knapp 20 EUR/t. Die Market Stability Reserve, welche die überzähligen Zertifikate abschöpft, wird zuschlagen (sozusagen der Zaubertrank des CO2-Handels). Daher erwarten die Marktteilnehmer wieder steigende Preise. Derzeit bewegen sie sich zwischen 20-25 EUR/t. Aber wer weiß, welche Nebenwirkungen der Zaubertrank und die Veröffentlichung der Benchmarks für die Industrie noch haben werden. Momentan zeigt auch der CO2-Preis nur Stärke und die zu erwartende Reduktion der Gratiszuteilungen für die Industrie unterstützen den CO2-Preis weiter. Aber auch zu viel Zaubertrank kann Nebenwirkungen haben.

Die Preise für alle Energierohstoffe (Öl, Kohle und Gas) sind im Jahresvergleich stark zurückgegangen. Die Zugewinne bei CO2 und Strom in den letzten Wochen können auch wieder verloren gehen, wenn die Wirkung des Zaubertranks beendet sein wird.  Das Coronavirus könnte jedoch nochmals alle Erwartungen über den Haufen werfen und ein Andauern der Pandemie könnte die Preise, die nun Zeichen der Erholung zeigen, wieder abstürzen lassen. Zur Monatsmitte Juni scheint jedoch das Gegenteil der Fall zu sein und die Terminmarktpreise Strom steigen wie die Aktienkurse auf Vor-Corona-Werte. Spot is King, für die die’s günstig haben wollen.

Bleiben Sie gesund, wir wünschen Ihnen, soweit möglich, eine gute Zeit und Ihrem Unternehmen Erfolge oder zumindest aushaltbare Schläge. „We’re open for business“.

Für das Team der Inercomp

Felix Diwok

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