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Marktkommentar

August 2022

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine bestimmt weiterhin die Energiepreisentwicklung. Es ist jedoch den Marktteilnehmern klar geworden, dass die Probleme mit der Versorgung aus Russland viel länger andauern werden als noch im März gedacht. Gleichzeitig macht die Weltwirtschaft Sorgen und somit glauben wir derzeit, dass die Preise nicht mehr steigen. Klar, bei einer weiteren Eskalation, also beim Gas-Hahn-Abdrehen würden wir in vielen Teilen Europas wie der Fisch am Trockenen schnappen. Und die Zahlungsbereitschaft weiter erhöhen.

Derzeit überwiegt jedoch der Langzeit-Pessimismus und somit die leicht fallende Preiserwartung für Gas und Strom.

Seit meinem Arbeitsbeginn im Energiehandel 1998 war eine Situation, wie sie nun nach Ausbruch des Krieges vorherrscht, nicht denkbar. Es besteht in Europa Energieknappheit und die Regulatoren der EU-Mitgliedsländer ringen nun damit, ob Energielenkungsmaßnahmen angebracht sind. Unserer Meinung nach: Ja, weil einerseits die Industrie ihre Produktion aufgrund der hohen Preise einschränken muss und andererseits, weil die Haushalte in vielen EU-Ländern nun Unterstützung benötigen und erhalten, damit die extrem hohen Preise auch bezahlt werden können. Beide Signale zeigen auf ein Marktversagen hin, auch wenn die Börsen noch Preise für alle Produkte angeben.

Der Gaspreis wird in den nächsten Monaten dominant bleiben. Kohlekraftwerke laufen in Europa auf Volllast, der Kernenergieausstieg Deutschlands führt zu zusätzlicher Knappheit am Strommarkt. Die Kohlepreise sind auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Das Q4 2022 wurde Ende Mai bis 240 USD/t gehandelt, liegt nun knapp unter 200 USD/t. Der Rückgang der CO2-Preise von über 90 EUR/t im Februar auf unter 60 EUR/t Anfang März und nun wieder auf über 80 EUR/t führt ebenso dazu, dass sich die Merit Order Gas als Zünglein an der Waage der Stromproduktion hält. Kohle kann aus unserer Sicht einfacher sinken als der Gaspreis in Europa. 140 USD/t sind bei anhaltenden Rezessionsängsten gut möglich.

Wie geht es weiter? Wir bleiben dabei: Fragen Sie Putin oder Biden oder die Astrologin Gerda Rogers. Die hohen Preise sind langfristig ein starker Anreiz für zusätzliches Angebot und den Umstieg auf die Erneuerbaren Energien. Der Krieg mit Russland wird mit jedem Tag noch länger erwartet und somit steigen auch die Terminmarktpreise für das Jahr 24 und danach. Wirtschaftlich eine wahre Katastrophe für die europäischen Volkswirtschaften, die mit der steigenden Inflation noch an Dynamik gewinnt.

Wir wissen nicht, welche überraschende Wendung sich auf der weltpolitischen Bühne noch ergibt: Europa bleibt nur das Hoffen auf warmes Wetter und ein besseres Angebot an Erneuerbaren Energien, damit wir den Strom nicht aus Gas- und Kohlekraftwerken produzieren müssen. Das wird jedoch immer schwerer, da die konventionellen Kraftwerke in Europa tendenziell abgeschaltet werden und der Umbau zu den Erneuerbaren zu langsam geht.

Da hilft auch der Wunsch der IEA nach Reduktion des Verbrauches in Europa um 1/3 in einem Jahr nichts, denn er ist unrealistisch. Die Regierungen wollen den Bürgern das Energiesparen nicht zumuten. Und die hektischen Gesetze zur Förderung der Erneuerbaren Energie helfen leider auch nicht, da die Handwerker und Rohstoffe fehlen oder wesentlich teurer geworden sind.

Trotzdem werden Gas und Strom wieder in ferner Zukunft günstiger erwartet, einfach weil so fantastisch hohe Preise sowohl das Angebot als auch die Nachfrage beeinflussen. Jedoch wird der günstigere Preis nur dann innerhalb eines Jahres kommen, wenn der Krieg eine extreme Wendung nimmt und es zu einer unmittelbaren Aussöhnung mit Russland kommt. Was dazu passieren müsste, können wir uns auch nicht vorstellen. Daher bleiben die europäischen Märkte Spielball zwischen Sanktionen und den Einschränkungen durch den Krieg. Und obwohl die Ukraine (physisch) und EU-Europa (finanziell) die Rechnung dieses Konflikts bezahlen, haben sie nur wenig mitzureden. Die Last der ukrainischen Bevölkerung erscheint unmenschlich und es ist zum Verzweifeln, dass Europa keine guten Karten bei der Bekämpfung des von Putin verursachten Unrechts hat.

Wir glauben (Achtung – nicht alle in unserem Haus), dass die Gasflüsse aus Russland jedenfalls weiter eingeschränkt werden. Entweder dreht Putin zu oder die Europäer schaffen es, die „Drohung“ des Import-Stopps wahr zu machen und die EU dreht den Hahn selbst zu. Es ist aus meiner Sicht nur eine Frage ob die EU schneller beim LNG-Terminal-Bau ist oder Putin LNG-Exporte nach China oder Indien schafft oder einfach mehr Aluminium produziert (nehmen Sie das bitte symbolisch).

Die Situation bleibt aus unserer Sicht für alle sehr ungünstig. Großverbraucher, Letztverbraucher und sogar Energieproduzenten haben mit den hohen Preisen bisher unbekannte und große Anpassungsschwierigkeiten.

Wir wünschen Ihnen persönlich und in der Arbeit für Ihre Firmen alles Gute in dieser Ausnahmesituation und unterstützen Sie gerne, wenn Sie das wollen und wir das können.

Ihr Felix Diwok, CEO, für das Team der Inercomp

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