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Marktkommentar

Januar 2021

In Europa sind im Spotmarkt Strom und Gas die Folgen des 2. Lockdowns zu spüren. Im Januar war der Wettereinfluss jedoch dominant und die Preise sind kräftig angezogen. Der Verbrauch von Gas und Strom wird auch im Februar höher sein als im Februar 2020, wenn die Wetterprognosen stimmen. Gleichzeitig sind jedoch die extrem hohen Speicherstände beim Gas (EU-28) vom Vorjahr stark zurückgegangen und auch die Importe aus Russland sind gering. Das lässt sowohl beim Gaspreise als auch beim Strompreis für das Jahr 2021 die Preiserwartung steigen. Die Hoffnung auf eine Corona-Impfung hat die Stimmung am Terminmarkt für Öl und Gas zwar beflügelt und die Preise steigen lassen, aber die Realität der Einschränkungen dämpft die Laune.

Der Anstieg der Terminmarktpreise für Strom und Gas erfolgte von einem Niveau nahe des historischen Tiefstandes für Gas und Öl. Der Terminmarkt zeigt daher Hoffnung auf steigende Preise. Gleichzeitig war der Preisanstieg der letzten beiden Monate so extrem, dass viele nicht daran glauben, dass das wirklich Realität wird. Denn es bleibt weiter unklar, wie lange die Corona-bedingte Verbrauchsreduktion noch anhalten wird und wann der X. Lockdown in vielen Ländern kommen wird. Das zeigt auch der Marktpreis: Bei Gas uns in manchen Märkten beim Strom befinden Sie die Jahresterminmarktpreise in der Backwardation. Das heißt, dass die Lieferung für das Jahr 2025 billiger ist als für das kommende Jahr.

Das Jahr 2020 hat in vielen Marktgebieten am Strommarkt neue Produktionsrekorde für die Erneuerbaren Energien (EE) gebracht, weil der Ausbau der EE ungehindert fortgeschritten ist. Dadurch war gleichzeitig mit der Verbrauchsreduktion in weiten Teilen Europas der Anteil an EE so hoch wie noch nie. Da die EE überwiegend (Wind, PV, Wasserkraft) mit Grenzkosten von 0 EUR/MWh in die Merit Order Curve eingehen, war auch aufgrund dieser Tatsache das Jahr 2020 im Spotmarkt beim Strom sehr günstig. Der Januar 2021 hat uns gezeigt, was es kostet, wenn wenig Wind und PV verfügbar ist.

CO2 ist der Hauptgrund, warum sich in Europa heuer eine wesentliche Änderung der Energiepreissituation ergeben hat: Kohle ist in vielen Marktgebieten durch Gas ersetzt worden. Günstige Gaspreise und relativ hohe CO2-Preise haben die Produktion von Strom aus Kohle unwirtschaftlich gemacht. Dadurch ist auch der Überschuss an CO2-Zertifikaten im EU-ETS (EU-Emissionshandelssystem) weiter angestiegen. Trotzdem hatte das keinen Einfluss auf den Preis. Der Grund dafür ist, einerseits die Möglichkeit, die Zertifikate auch in der Zukunft zu verwenden und andererseits die Erwartung an steigende CO2-Preise, weil die Emissionsreduktionsziele der EU stark erhöht wurden. 2030 wollen wir in Europa nun 55% weniger Emissionen als 1990 haben. Wegen der hohen CO2-Preise ist auch der Strom-Terminmarktpreis für die nächsten Jahre nicht wieder auf das Niveau von 2018 (Preis: 21,35 EUR/MWh für das Jahr 2019) gesunken. Heuer war der Tiefstwert vom Strommarktpreis für das nächste Jahr bei 34,9 EUR/MWh und derzeit ist die Erwartung für den deutschen Preis bei über 50 EUR/MWh und für die HUDEX über 55 ERU/MWh. Der Preisanstieg zum Vorjahr ist überwiegend in dem CO2-Preis zum Anfang des Jahres 2018 mit ca. 7 EUR/MWh im Vergleich mit dem CO2-Preis von durchschnittlich ca. 25 EUR/t im Jahr 2020 zu begründen.

Ganz grundsätzlich bliebt die wirtschaftliche Erholung nach Corona in den nächsten Monaten im Hauptfokus der Preisentwicklung am Spotmarkt. Der Ausblick auf die Impfung lässt die Märkte aber nicht mehr auf ein sehr tiefes Niveau sinken. Der Spotmarkt für Strom und Gas wird auch im Jahr 2021 Chancen bieten, der Terminmarkt wird stark von dem CO2-Preis beeinflusst werden. Die Risikostreuung bleibt daher wichtig.

Unter diesen Vorzeichen wünschen wir gute Entscheidungen und noch gute Tage auch wenn es heuer keinen Ski-Urlaub geben wird.

Für das Team der Inercomp

Felix Diwok

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